Ford sieht sich zunehmendem Druck ausgesetzt, da es seine Rückrufbemühungen ausweitet und mittlerweile mehr als 616.000 Fahrzeuge in drei separaten Kampagnen umfasst. Die Probleme reichen von defekten Scheibenwischern über abgetrennte Antriebswellen bis hin zu fehlerhaften Rückfahralarmen und werfen Fragen zur Qualitätskontrolle und Sicherheitsbewertung von Ford auf.
Ausfall des Scheibenwischermotors: Eine verzögerte Reaktion
Der größte Rückruf betrifft etwa 604.533 Ford Escape-, Explorer-, Lincoln Aviator- und Corsair-Modelle aus den Modelljahren 2020–2022. Diese Fahrzeuge sind mit störanfälligen Scheibenwischermotoren ausgestattet, die die Sicht bei widrigen Wetterbedingungen deutlich einschränken.
Das entscheidende Detail? Ford hat dieses Problem intern bereits 2021 erkannt, es jedoch zunächst mit der Begründung abgetan, dass es kein ernsthaftes Sicherheitsrisiko darstelle. Das Unternehmen unterschätzte die Ausfallquote und nahm die Untersuchung erst Ende 2025 wieder auf, nachdem die Meldungen zugenommen hatten. Das Problem ist auf einen Herstellungsfehler beim Zulieferer Valeo zurückzuführen, bei dem falsch ausgerichtete elektrische Verbindungen dazu führen, dass die Motoren mit der Zeit ausfallen.
Es wurden bereits über 1.374 Garantieansprüche eingereicht, was die weit verbreitete Natur des Mangels belegt. Händler werden die defekten Wischermotoren ersetzen, aber aufgrund von Teilemangel sind Reparaturen erst im Mai möglich.
Trennung der Antriebswelle: Ein Schweißfehler
Ein zweiter Rückruf betrifft 11.431 F-250- und F-350-Lkw (Modelle 2025–2026) aufgrund einer fehlerhaften Schweißnaht in der hinteren Antriebswelle. Dieser Defekt kann dazu führen, dass sich die Antriebswelle vollständig löst, was zu einem plötzlichen und katastrophalen Verlust der Antriebsleistung führt.
Interne Tests im LKW-Werk von Ford in Kentucky brachten das Problem zu Tage: Eine der Reibschweißmaschinen funktionierte nicht richtig und erreichte nicht die für eine sichere Schweißung ausreichende Geschwindigkeit. Es wurden bereits sechs Garantieansprüche gemeldet, die die Schwere des Mangels bestätigen. Händler überprüfen die Seriennummern der Antriebswellen und ersetzen defekte Einheiten bei Bedarf.
Ausfall des Backup-Alarms: Ein einfaches Versehen
Schließlich werden 316 E-350- und E-450-Transporter (Modelle 2026–2027) aufgrund eines fehlerhaften Rückfahralarm-Steckers zurückgerufen. Ein einfacher Herstellungsfehler – ein falsch ausgetauschter Kabelbaumstecker am Fahrzeugrahmen – verhindert, dass der Alarm ertönt, wenn das Fahrzeug rückwärts fährt. Obwohl dies scheinbar geringfügig ist, stellt es ein klares Sicherheitsrisiko in Ladezonen und Parkplätzen dar. Händler ersetzen den Stecker durch eine korrekt konstruierte Einheit.
Die allgemeine Erkenntnis? Diese Rückrufe verdeutlichen systemische Probleme innerhalb der Qualitätssicherungsprozesse von Ford. Die verspätete Reaktion auf den Defekt am Wischermotor ist besonders besorgniserregend, da das Unternehmen einen bekannten Fehler zunächst herunterspielte, bevor es zu einem umfassenden Rückruf führte. Diese Vorfälle verdeutlichen die Bedeutung proaktiver Sicherheitsbewertungen und schneller Korrekturmaßnahmen in der Automobilindustrie.
