Luigi Chinetti hat die Dinge auf seine eigene Art gemacht. 1972 gab der nordamerikanische Ferrari-Importeur eine wilde Variante des Daytona-Coupés in Auftrag. Es war kein Rennwagen. Es war ein Wagen. Oder besser gesagt ein Shooting Brake. Das Original befindet sich seitdem in Museen. Doch nun hat der niederländische Karosseriebauer Niels Van Roij diesen Geist entstaubt und ihm neues Leben eingehaucht.

Er nennt es die Daytona Shooting Brake Hommage.

Es ruht auf den Knochen eines Ferrari 599 GTB. Am Rahmen haften Aluminiumplatten. Die Türen? Original. Der Rest? Frisch. Die Form ist geschwungen, aggressiv und selbst im Stillstand unbestreitbar schnell.

Schießbremsen sind tückische Kreaturen. Sie wollen die Geschwindigkeit eines Coupés, aber den Nutzen einer Limousine. Oft entsteht stattdessen Hässlichkeit. Sehen Sie sich das BMW Z4 M Coupé an – jeder nannte es nicht umsonst den „Clownschuh“. Aber das ist kein Witz. Es fügt sich optisch nahtlos in die Linie des Volvo P1800ES ein. Schlank. Empfindlich. Rechts.

„Eine schwer zu beherrschende Form“

Van Roij wusste genau, was er nachahmte. Der Chinetti Daytona von 1972 war nicht irgendein Auto. Es wurde für einen Le-Mans-Champion gebaut. Ein Mann, der verstand, dass Autos nicht nur fahren sollten; sie sollten sprechen. Die moderne Version kopiert diese Stimme originalgetreu. Fast verdächtig.

Schauen Sie sich die Vorderseite an. Dünne Scheinwerfer erstrecken sich über ein Gesicht, das verdächtig an die Chrysler Firepower-Studie von 2005 erinnert. Da ist Chrom. Dick davon. Ein bernsteinfarbener grafischer Streifen verläuft über dem silbernen Daytona -Abzeichen. Es erinnert an die orangefarbene Linie des 72er-Modells. Ein Augenzwinkern in die Vergangenheit.

Dann steigt das Dach.

Das ist der Trick. Die verlängerte Kabine mündet im Heck in Schmetterlingsfenster. Sie klappen nach außen. Elektronisch. Wie Flügel, die sich auf einem freigelegten Aluminiumskelett öffnen. Dies ermöglichte den ursprünglichen Zugang zu einem echten Gepäckraum. Hier fühlt es sich an wie Theater. Die Krümmung der hinteren Schenkel ist weicher, runder und vielleicht eleganter als die scharfen Ecken von 1972.

Das Ende ist abrupt. Ein Kammback-Schnitt schneidet das Dach ab. Dahinter sitzt eine einzelne Glasscheibe. Die Rücklichter verstecken sich im Inneren. Darunter? Vier Auspuffblenden ragen aus der Stoßstange heraus. Laut. Dreist.

Im Inneren ändert sich die Philosophie. Der Fahrer sitzt hinter einem Armaturenbrett ohne Instrumente. Alles wandert in die Mittelkonsole. Die Windschutzscheibe wird zum Tunnel der Sicht. Dies entspricht dem Layout des Originals. Die Sitze sind aus braunem Leder. Die Verkleidung besteht aus Kohlefaser. Luxus gepaart mit Zweck.

Die Kraft kommt von vorne. Natürlich. Ein 6,0-Liter-V12 überträgt über 600 PS über ein automatisiertes Sechsgang-Schaltgetriebe auf die Hinterräder. Keine Elektromotoren. Keine Hybriden. Nur Verbrennung.

Warum ist das wichtig? Weil wir mittlerweile jedes Jahr Shooting Brakes erleben. Mercedes macht sie. BMW macht sie. Sogar Tesla liebäugelte mit der Idee. Aber Van Roij folgt keinem Trend. Er folgt einer spezifischen, einzigartigen Inspiration. Dieser Shop baute auch eine Hommage an den 250 GT Breadvan. Sie haben einen Lotus Wraith für den Indy-Car-Fahrer Dario Franchitti optimiert. Das ist ihre Spur.

Den Preis kennen wir nicht. Kunden für Einzelanfertigungen wie dieses kaufen normalerweise sowieso im Flüsterton. Aber schau es dir an. Schauen Sie wirklich. Es funktioniert. Das sollte vielleicht nicht der Fall sein. Aber das tut es.

Braucht es einen besseren Namen als „Hommage“? Wahrscheinlich. Ist es wichtig? Vielleicht auch nicht. Wenn Sie damit in einem Museum an jemandem vorbeifahren, verschwinden die Worte möglicherweise einfach.

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