Der CEO von Ferrari, Benedetto Vigna, hat offen zugegeben, dass die Verlagerung hin zu berührungsempfindlichen Bedienelementen in modernen Autoinnenräumen in erster Linie auf Kosteneinsparungen und nicht auf Innovation zurückzuführen ist. Das Unternehmen kehrt nun seinen Kurs um und bietet Nachrüstungen für bestehende Modelle an und integriert physische Tasten in zukünftige Designs. Dieses Eingeständnis unterstreicht einen breiteren Trend: Autohersteller geben stillschweigend zu, dass kapazitive Bedienelemente zwar optisch elegant, aber weniger praktisch und für Fahrer frustrierender sind.
Die Ökonomie der Berührung
Vigna gab bekannt, dass Touch-Tasten 50 % günstiger in der Herstellung sind als herkömmliche physische Tasten. Hierbei handelt es sich nicht um überlegene Technik; Es ist eine einfache finanzielle Entscheidung. Viele Unternehmen haben auf Knöpfe gänzlich verzichtet, um die Einsparungen zu maximieren, aber Ferrari verfolgt einen anderen Ansatz. Bestehende Purosangue- und 12Cilindri-Modelle werden mit Lenkrädern mit physischen Bedienelementen nachgerüstet, und neue Modelle wie der Testarossa und Amalfi verfügen bereits über mehr taktile Tasten.
„Der Touch-Button dient dem Vorteil des Lieferanten“, erklärte Vigna in einem Interview mit Autocar India.
Warum jetzt? Der Wert unverwechselbaren Designs
Bei Ferraris Sinneswandel geht es nicht nur um Kundenbeschwerden – auch wenn diese eine Rolle gespielt haben. Das Unternehmen legt Wert auf Exklusivität und maßgeschneidertes Design. Laut Vigna sind massenhaft hergestellte Innenräume, die alle gleich aussehen, unerwünscht. Ferrari möchte mit maßgeschneiderten Schaltanlagen hervorstechen, auch wenn dies höhere Produktionskosten bedeutet.
Das kommende Elektrofahrzeug Luce, das gemeinsam mit Jony Ives LoveFrom entwickelt wurde, ist ein Beispiel für diesen Wandel. Es verfügt über dedizierte physische HVAC-Steuerungen und andere Funktionen, auf die ohne Verwendung eines Touchscreens zugegriffen werden kann. Der Startpreis des Luce wird voraussichtlich über 500.000 US-Dollar liegen, was Ferraris Engagement für Premium-Qualität gegenüber Kosteneffizienz unterstreicht.
Ein breiterer Automobiltrend
Ferrari ist nicht der Einzige, der über Touchscreen-lastige Innenräume nachdenkt. Auch der Volkswagen-Konzern, Hyundai, Kia und Toyota führen wieder physische Bedienelemente für wesentliche Funktionen ein. Diese Marken haben erkannt, dass Autofahrer häufig die Einfachheit und Zuverlässigkeit taktiler Tasten bevorzugen, insbesondere für häufig genutzte Funktionen wie Klimatisierung oder Sitzheizung.
Allerdings bevorzugen einige Autohersteller wie BMW und Mercedes trotz der weit verbreiteten Unzufriedenheit der Kunden weiterhin minimalistische Designs mit weniger physischen Bedienelementen. Dies deutet darauf hin, dass Ferrari zwar auf die Praktikabilität setzt, andere Hersteller jedoch möglicherweise immer noch der Ästhetik oder Markenidentität Vorrang vor der Benutzerfreundlichkeit geben.
Letztendlich bestätigen das Eingeständnis und die darauffolgenden Maßnahmen von Ferrari, was viele Autofahrer schon immer vermutet hatten: Bei Touch-Tasten ging es nicht um Fortschritt, sondern um Profit. Der Wechsel zurück zu physischen Bedienelementen ist eine Erkenntnis, dass das Benutzererlebnis wichtig ist, selbst im Segment der Luxusautomobile.
