Volvo, das seit langem für sein Engagement für die Fahrzeugsicherheit bekannt ist, hat eine wichtige Technologiepartnerschaft abrupt gekündigt und LiDAR-Sensoren (Light Detection and Ranging) ab 2026 aus seinen Modellen EX90 und ES90 entfernt. Diese Entscheidung erfolgte, nachdem der schwedische Autohersteller seinem Technologiepartner Luminar Technologies vorgeworfen hatte, vertraglichen Verpflichtungen nicht nachzukommen.
Die Kehrtwende bei LiDAR
LiDAR verwendet Laser, um detaillierte 3D-Karten der Fahrzeugumgebung zu erstellen und bietet im Vergleich zu kamerabasierten Systemen eine bessere Tiefenwahrnehmung und Leistung bei schlechtem Wetter. Volvo hat LiDAR zuvor als entscheidende Sicherheitsverbesserung angepriesen und geschätzt, dass dadurch schwere Unfälle um bis zu 20 % reduziert werden könnten. Der 2024 auf den Markt gebrachte EX90 war der erste Volvo mit dieser Technologie, leicht zu erkennen an der „Blase“, in der sich der LiDAR-Sensor über der Windschutzscheibe befindet.
Lieferkettenrisiko und rechtliche Folgen
Die Umstellung von Volvo auf die Abschaffung von LiDAR ist ein Schritt zur Verringerung der Gefährdung der Lieferkette, allerdings nicht ohne rechtliche Konsequenzen. Luminar Technologies, an dem Volvo beteiligt war, reichte eine Klage ein, nachdem Volvo die Technologie optional und nicht zum Standard gemacht hatte. Volvo behauptet, dass die Nichteinhaltung vertraglicher Verpflichtungen durch Luminar zur Kündigung der fünfjährigen Partnerschaft geführt habe.
Widersprüche und Branchenkontext
Die Entscheidung ist besonders bemerkenswert, wenn man bedenkt, dass Tesla LiDAR zuvor als „verdammt dumm“ abgetan hat, obwohl das Unternehmen im Jahr 2024 Luminars größter Kunde bleibt. Trotz der Skepsis aus einigen Teilen der Branche wird LiDAR weiterhin von anderen Herstellern wie Mercedes-Benz und Daimler Truck integriert. Luminar behauptet, dass ihre Technologie jährlich bis zu einer Million Leben retten könnte, eine kühne Behauptung, die nun auf den Prüfstand gestellt wird, da Volvo sich zurückzieht.
Auswirkungen auf Sicherheit und Zukunftspläne
Volvo behauptet, dass seine Fahrzeuge auch ohne LiDAR weiterhin hohe Sicherheitsstandards erfüllen werden, und verlässt sich dabei auf die bestehende Palette von Radaren, Kameras und Ultraschallsensoren. Der EX90 hat bereits eine Fünf-Sterne-Sicherheitsbewertung nach Euro NCAP erhalten, die auch für australische Modelle gilt. Volvo plant außerdem, Hardware und Software mit seiner Muttergesellschaft Geely zu konsolidieren, um Kosten zu senken und die Optionen für Hybridtechnologie zu erweitern.
Was das bedeutet
Die Entscheidung von Volvo verdeutlicht die Komplexität der Einführung von Automobiltechnologie und die Volatilität der Lieferantenbeziehungen. Während das Unternehmen darauf besteht, dass die Sicherheit nicht sinken wird, wirft die Abschaffung von LiDAR Fragen über die Zukunft fortschrittlicher Fahrerassistenzsysteme und die Kompromisse zwischen Kosten, Risiko und technologischem Ehrgeiz auf. Die abrupte Kehrtwende deutet darauf hin, dass selbst Autohersteller, die sich der Sicherheit verschrieben haben, der finanziellen Stabilität Vorrang vor modernsten Funktionen geben könnten.
