Eine Welle KI-generierter Fehlinformationen hat eine koordinierte rechtliche Reaktion großer Hersteller von Elektrofahrzeugen (EV) in China ausgelöst. Nach der viralen Verbreitung falscher Behauptungen, die Aufsichtsbehörden hätten mehrere Autohersteller zu Untersuchungen zu „Batteriesperr“-Softwarefunktionen vorgeladen, haben Unternehmen wie BYD, Tesla, Nio, Xpeng, Zeekr, GAC Aion und Li Auto formelle Ablehnungen ausgesprochen.

Die Kontroverse verdeutlicht ein wachsendes Spannungsverhältnis zwischen der Angst der Verbraucher vor der softwaregesteuerten Batterieleistung und der raschen Verbreitung ungeprüfter digitaler Inhalte. Die konkreten Gerüchte wurden zwar von den Herstellern entlarvt, sie sind jedoch auf einen echten und erheblichen Anstieg von Verbraucherbeschwerden hinsichtlich der Auswirkungen von Over-the-Air-Updates (OTA) auf die Fahrzeugreichweite und die Ladefähigkeiten zurückzuführen.

Der Ursprung der falschen Erzählung

Der Streit begann, als Social-Media-Plattformen mit Beiträgen überschwemmt wurden, in denen behauptet wurde, chinesische Regulierungsbehörden hätten nach Verbraucherbeschwerden acht Unternehmen für neue Energiefahrzeuge befragt. In diesen Beiträgen wurde behauptet, dass drei Autohersteller offiziell untersucht worden seien und dass zwei Unternehmen Software-Update-Pakete zurückgezogen hätten.

Berichten des Shanghai Observer zufolge stützte sich die Fehlinformationskampagne auf veränderte Screenshots und KI-generierte Listen. Staatsnahe Medien stellten fest, dass bestimmte Social-Media-Konten im Automobilbereich frühere, nicht damit in Zusammenhang stehende Berichterstattungen erneut gepostet und geändert hatten, um ein Narrativ weit verbreiteter regulatorischer Maßnahmen zu schaffen.

Die Autohersteller distanzierten sich schnell von diesen Behauptungen:

  • BYD bezeichnete die Berichte am 9. Mai als „reine Gerüchte“ und gab an, Beweise gesammelt zu haben, um rechtliche Schritte gegen Konten einzuleiten, die falsche Informationen verbreiten.
  • Die Rechtsabteilung von Xpeng wies darauf hin, dass KI-Anwendungen verwendet wurden, um Listen mit Angaben zum Unternehmen zu erstellen, und stellte fest, dass keine derartigen Mitteilungen eingegangen seien.
  • Vertreter von Tesla sagten chinesischen Medien, dass die Berichte ungenau seien, und betonten, dass alle Software-Updates vor der Veröffentlichung strengen Test- und Archivierungsverfahren unterzogen würden.
  • Nio, Zeekr und GAC Aion gaben ebenfalls Erklärungen ab, in denen sie bestätigten, dass sie nicht an regulatorischen Gesprächen oder Untersuchungen beteiligt waren.

Die Kontroverse um die „Batteriesperre“ verstehen

Während die behördlichen Vorladungen gefälscht waren, ist das zugrunde liegende Problem – sogenannte „Batteriesperren“ – real und zunehmend umstritten. Dieser Begriff bezieht sich auf Praktiken, bei denen Autohersteller OTA-Updates nutzen, um Ladegrenzen, Entladetiefe oder Leistungsschwellenwerte anzupassen.

Hersteller rechtfertigen diese Anpassungen in der Regel mit notwendigen Sicherheitsmaßnahmen, um die Batteriegesundheit zu erhalten und thermische Probleme zu verhindern. Kritiker und einige Verbraucher argumentieren jedoch, dass diese Softwareänderungen die Leistung und Reichweite des Fahrzeugs künstlich verringern können, wodurch das Produkt nach dem Kauf effektiv schlechter wird.

Das Ausmaß der Unzufriedenheit der Verbraucher ist erheblich. Von chinesischen Medien zitierte Daten zeigen, dass Chinas nationale Verbraucherbeschwerdeplattform 12315 allein im März 2026 über 12.000 Beschwerden im Zusammenhang mit Problemen mit OTA-Batteriesperren erhalten hat. Dies stellt einen 273-prozentigen Anstieg im Vergleich zum Vorjahr dar und signalisiert eine starke Eskalation der Bedenken der Benutzer hinsichtlich softwaredefinierter Fahrzeugfähigkeiten.

Kontext: Hitze, Aufladung und Marktdruck

Der Zeitpunkt dieser Gerüchte fällt mit breiteren Branchendiskussionen über das Ladeverhalten von Elektrofahrzeugen und das Batteriemanagement zusammen. Die öffentliche Kontrolle verschärfte sich Anfang dieser Woche während eines Livestream-Tests des Megawatt-Blitzladesystems von BYD, bei dem eine Batterietemperatur von 76 °C gemessen wurde. Dieser Vorfall löste eine Online-Debatte über das Batterie-Wärmemanagement und die physische Belastung der Zellen bei ultraschnellen Ladevorgängen aus.

Diese technischen Bedenken entfalten sich vor dem Hintergrund einer sich verändernden Marktdynamik. Trotz der Kontroverse zeigen die Verkaufsdaten für März 2026 gemischte Ergebnisse für die Hauptakteure:

  • Tesla China meldete inländische Einzelhandelsverkäufe von 56.107 Fahrzeugen, ein Anstieg von 46,9 % gegenüber Februar, aber ein 24,3 % Rückgang im Jahresvergleich.
    – Teslas Marktanteil in China lag im März bei 3,4 %, was den intensiven Wettbewerb auf dem weltweit größten Markt für Elektrofahrzeuge widerspiegelt.

Fazit

Die jüngste Welle von Gerüchten dient als warnendes Beispiel für die Schnittstelle zwischen KI-gesteuerter Fehlinformation und berechtigten Verbraucherbeschwerden. Während die konkreten Behauptungen der behördlichen Zusammenfassungen falsch waren, unterstreicht der Anstieg der Beschwerden um 273 % eine entscheidende Herausforderung für die Elektrofahrzeugbranche: die Wahrung von Transparenz und Vertrauen, da Software-Updates zunehmend die Hardwareleistung bestimmen. Während Hersteller ihren Ruf gegen digitale Erfindungen verteidigen, müssen sie auch auf die wachsende Nachfrage der Verbraucher nach Klarheit darüber eingehen, wie Batteriemanagementsysteme optimiert und gesteuert werden.