Mercedes-Benz entwickelt über seine Tochtergesellschaft Yasa eine Elektromotortechnologie, die so effizient ist, dass herkömmliche Hinterradbremsen in zukünftigen Elektrofahrzeugen (EVs) überflüssig werden könnten. Dieser radikale Wandel wird durch einen neuen Axialflussmotor ermöglicht, der bis zu 1.006 PS (750 kW) liefern kann und dabei nur 28 Pfund (12,7 kg) wiegt. Die Innovation liegt in beispiellosen regenerativen Bremsfunktionen, die es dem Motor ermöglichen, beim Abbremsen so viel Energie zurückzugewinnen, dass herkömmliche Bremssysteme verkleinert oder sogar ganz entfernt werden könnten.

Der Durchbruch: Axialflussmotortechnologie

Yasas neuer Motor erreicht eine Leistungsdichte von 59 kW pro Kilogramm (35 PS/lb) – ein inoffizieller Rekord. Das bedeutet, dass es für seine Größe und sein Gewicht außergewöhnlich leistungsstark ist. Der Motor kann in Kombination mit einem 33-Pfund-Doppelwechselrichter kontinuierlich zwischen 469 und 536 PS leisten.

Radnabenmotoren sind zwar nichts Neues, ihre weitverbreitete Verbreitung wird jedoch durch Gewichts- und Leistungsbeschränkungen behindert. Das Design von Yasa überwindet diese Hürden und macht es für leistungsstarke Elektrofahrzeuge, einschließlich Hypercars, geeignet.

Warum das wichtig ist: Gewichtseinsparungen und Effizienzsteigerungen

Der mögliche Wegfall der Hinterradbremsen – zusammen mit den Antriebswellen – könnte zu erheblichen Gewichtseinsparungen führen: bis zu 441 Pfund (200 kg) bei bestehenden Modellen und sogar 1.100 Pfund (500 kg) bei Neukonstruktionen. Diese Gewichtsreduzierung führt direkt zu einer verbesserten Effizienz und einer potenziell größeren Reichweite für Elektrofahrzeuge.

„Dank seiner außergewöhnlichen Regenerationsfähigkeit hat dieses System das Potenzial, die Hinterradbremsen eines Elektrofahrzeugs drastisch zu verkleinern – oder sie in bestimmten Architekturen sogar ganz zu entfernen“, sagt Simon Odling, Leiter für neue Technologien bei Yasa.

Dabei handelt es sich um mehr als nur eine mechanische Änderung; Es eröffnet Automobilherstellern die Möglichkeit, Fahrzeugverpackung, Aerodynamik und Fahrwerksdesign neu zu überdenken. Durch die Freigabe von Platz, der zuvor von starken Bremskomponenten eingenommen wurde, können Hersteller die Leistung und Ästhetik des Fahrzeugs optimieren.

Implementierung und zukünftige Modelle

Die neuen Axialflussmotoren sind bereits für den Einsatz in der vollelektrischen Mercedes-AMG GT 4-Türer-Limousine und im SUV vorgesehen. Allerdings werden diese ersten Anwendungen einen Motor vorne und zwei hinten verwenden, nicht als In-Wheel-Konfiguration. Das wahre Potenzial dieser Technologie – der vollständige Verzicht auf Hinterradbremsen – wird wahrscheinlich in zukünftigen, von Grund auf neu entwickelten Elektrofahrzeugarchitekturen zum Vorschein kommen.

Diese Entwicklung stellt einen großen Schritt zur Vereinfachung des EV-Designs und zur Maximierung der Effizienz dar und könnte möglicherweise die Zukunft der Elektrofahrzeugtechnik neu gestalten.

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