Renault verlagert seinen Fokus vom bloßen Verkauf von Hardware auf die Verwaltung digitaler Ökosysteme. Der Automobilriese bereitet sich auf die Monetarisierung der Daten vor, die aus seiner kommenden Reihe von softwaredefinierten Fahrzeugen (SDVs) gesammelt werden, beginnend mit dem elektrischen Transporter Trafic der nächsten Generation.
Dieser strategische Dreh- und Angelpunkt markiert einen Wandel in der Art und Weise, wie Hersteller Nutzfahrzeuge betrachten: nicht mehr nur als Transportmittel, sondern als mobile Datendrehkreuze, die durch vernetzte Dienste wiederkehrende Umsätze generieren können.
Der Wandel vom Eigentum zur Nutzung
Der Kern der Strategie von Renault besteht darin, Flottenbetreiber weg vom traditionellen „Total Cost of Ownership“ (TCO)-Modell hin zu einem „Total Cost of Usage“-Ansatz zu bewegen.
Während sich die TCO auf den Kaufpreis, den Kraftstoff und die Versicherung konzentriert, stehen beim „Total Cost of Usage“-Modell folgende Prioritäten im Vordergrund:
– Verfügbarkeit: Sicherstellen, dass die Fahrzeuge unterwegs und nicht in der Werkstatt sind.
– Betriebliche Effizienz: Optimierung von Routen und Fahrgewohnheiten.
– Vorausschauende Wartung: Nutzung von Echtzeitdaten zur Behebung von Problemen, bevor sie zu Ausfällen führen.
Laut Zak Zeghari, Vizepräsident für weltweiten Vertrieb und Marketing von Nutzfahrzeugen der Renault Group, wird die Einführung schrittweise erfolgen. Die Technologie wird 2027 im vollelektrischen Trafic erstmals zum Einsatz kommen und schließlich auf die gesamte Palette der leichten Nutzfahrzeuge (LCV) ausgeweitet werden. Renault beabsichtigt, diese Dienstleistungen erst dann in Rechnung zu stellen, wenn sie eindeutig einen spürbaren Return on Investment für den Kunden belegen.
Verwalten der Risiken einer vernetzten Flotte
Da Fahrzeuge zunehmend auf Software angewiesen sind, werden sie auch anfälliger für digitale Bedrohungen. Der Aufstieg KI-gesteuerter Hacking-Tools bedeutet, dass Cybersicherheit nicht mehr nur ein Nebengedanke ist, sondern eine Grundvoraussetzung.
Um diese Risiken zu mindern, implementiert Renault eine „Digital Twin“ -Architektur:
1. Cloud-Verarbeitung: Fahrzeugdaten werden in einer Cloud-Umgebung verarbeitet.
2. Der digitale Zwilling: In der Cloud existiert eine virtuelle Nachbildung des Fahrzeugs, um die Leistung zu simulieren und zu überwachen.
3. Erweiterte Firewalls: Eine ständige digitale Barriere trennt das physische Fahrzeug von den cloudbasierten Daten und fungiert als Schutzschild gegen externe Angriffe.
„Niemand ist sicher, also müssen wir sehr vorsichtig sein und uns dann weiterentwickeln“, bemerkte Zeghari und räumte ein, dass Cybersicherheitsbedrohungen hartnäckig sind.
Eine fokussierte Antriebsstrategie
Während der Softwarebereich des Geschäfts wächst, optimiert Renault sein mechanisches Angebot weiter. Das Unternehmen hat sich einer zweigleisigen Antriebsstrategie verschrieben:
– Verbrennungsmotoren (ICE) für traditionelle Bedürfnisse.
– Fully Electric (BEV) für den Übergang zu null Emissionen.
Insbesondere haben Renault-Führungskräfte kurzfristig Plug-in-Hybride und Wasserstoff-Brennstoffzellen ausgeschlossen und dabei die unzureichende Marktnachfrage und die betriebliche Komplexität der Wasserstoffinfrastruktur für gewerbliche Flotten angeführt.
Schlussfolgerung
Renault setzt darauf, dass die Zukunft der Rentabilität im kommerziellen Sektor in Software und Datenintelligenz liegt und nicht nur in den Motorspezifikationen. Durch die Priorisierung von Betriebszeit und vorausschauender Wartung durch „digitale Zwillinge“ möchte das Unternehmen Fahrzeugdaten in einen hochwertigen Service für Flottenbetreiber umwandeln.







