TrueEV, der australische Vertriebspartner des chinesischen Elektrofahrzeugherstellers Xpeng, hat seinen Kunden öffentlich zugesichert, dass Kundendienst, Garantien und Verkaufsabläufe trotz eines eskalierenden Rechtsstreits mit dem Autohersteller intakt bleiben.
Die Botschaft kommt, während das Unternehmen eine komplexe Übergangsphase durchläuft, die mit Rechtsstreitigkeiten vor Bundesgerichten, Unterbrechungen der Lieferkette und einem strategischen Wandel von Xpeng hin zu einem Direct-to-Consumer-Modell in Australien verbunden ist.
Ein Bekenntnis zur Kontinuität
In einem Brief vom 6. Mai 2026 wandte sich Jason Clarke, Chief Executive Officer von TrueEV, direkt an Eigentümer und potenzielle Käufer und entschuldigte sich für das Schweigen zu den laufenden rechtlichen Fragen. Der Gerichtsstreit wurde mehr als zwei Monate zuvor öffentlich, was bei vielen Kunden Unsicherheit über den Status ihrer Fahrzeuge und Dienstleistungen hinterließ.
Clarke erklärte, dass die von Xpeng in den letzten 16 Monaten durchgeführten betrieblichen Änderungen „wesentliche Auswirkungen“ auf das Geschäft von TrueEV gehabt hätten und den Vertriebshändler gezwungen hätten, eine Lösung beim Bundesgericht anzustreben. Clarke räumte zwar Unannehmlichkeiten im Zusammenhang mit der Fahrzeugversorgung, der Teileverfügbarkeit und den Bearbeitungsfristen ein, betonte jedoch, dass der Kernkundendienst Vorrang habe.
Zu den wichtigsten Zusicherungen in dem Schreiben gehören:
* Garantieunterstützung: Bestehende Garantien bleiben weiterhin bestehen.
* Aktionen: Cashback-Angebote werden trotz aktueller Rückstände bearbeitet.
* Service-Priorität: Kundensupport und Kundendienst stehen weiterhin im Mittelpunkt.
„Wir tun alles, was wir können, um die Kontinuität aufrechtzuerhalten … TrueEV engagiert sich weiterhin voll und ganz für die Unterstützung unserer Kunden, Partner und der Marke Xpeng in Australien.“
CarExpert bestätigte, dass die Xpeng-Showrooms im ganzen Land weiterhin normal funktionieren, sowohl für den Verkauf als auch für den Service.
Die Wurzeln des Konflikts
TrueEV führte Xpeng im August 2024 auf dem australischen Markt ein und startete mit dem mittelgroßen Elektro-SUV G6 – einem direkten Konkurrenten zum Tesla Model Y und BYD Sealion 7. Der Händler baute schnell ein Netzwerk von etwa 15 Händlern und fast 60 Servicezentren auf und plant, das Angebot um den großen SUV G9 und den People Mover X9 zu erweitern.
Die Partnerschaft zerbrach jedoch Anfang 2026. Am 4. März begann vor dem australischen Bundesgericht ein Gerichtsverfahren zwischen TrueEV und mehreren Xpeng-Unternehmen, darunter Guangzhou Xiaopeng Motors Trading Co Limited und Xpeng Motors Australia Pty Limited (Xpeng ANZ).
Der rechtliche Druck auf TrueEV hat zugenommen. Ende April verurteilte das Gericht den Vertriebshändler zur Zahlung von knapp über 1,25 Millionen US-Dollar als Sicherheit für die Kosten. Es bleibt unklar, ob diese Zahlung erfolgt ist. Die nächste geplante Anhörung ist für den 6. Oktober 2026 angesetzt.
Um die finanzielle Belastung zu bewältigen, hat TrueEV Anfang des Jahres einen Insolvenzverwalter mit der Liquidation von 197 Fahrzeugen beauftragt, was auf eine erhebliche betriebliche Notlage hindeutet.
Xpengs strategischer Pivot
Während TrueEV vor Gericht um seine Position kämpft, restrukturiert Xpeng aktiv seine Präsenz in Australien. Der Autohersteller hat seine eigene lokale Niederlassung gegründet und sich damit effektiv vom traditionellen Vertriebsmodell entfernt.
Hidesuke Takesue, ehemaliger Chief Operating Officer von GWM Australia, kam im April 2026 als COO zu Xpeng Motors Australia. Dieser Führungswechsel steht im Einklang mit einer umfassenderen strategischen Ankündigung von Xpeng im April, die den Schritt als den Beginn einer „neuen Ära des Vertrauens und der Intelligenz“ bezeichnete.
Nach Angaben des Autoherstellers soll die Umstellung auf ein direkt ab Werk unterstütztes Modell sicherstellen, dass die globale Technologie in ihrer „reinsten und effizientesten Form“ geliefert wird. Dieser Übergang deutet darauf hin, dass Xpeng beabsichtigt, in Zukunft Drittvertriebshändler zu umgehen, wodurch das aktuelle Netzwerk von TrueEV möglicherweise überflüssig wird.
Was das für Käufer bedeutet
Die Situation wirft für den australischen Elektrofahrzeugmarkt kritische Fragen hinsichtlich der Stabilität der Vertriebsbeziehungen zu ausländischen Herstellern auf. Für aktuelle Xpeng-Besitzer scheint das unmittelbare Risiko gering zu sein, da TrueEV versprochen hat, Garantien und Supportleistungen einzuhalten. Potenzielle Käufer könnten jedoch mit Unsicherheit hinsichtlich der langfristigen Unterstützung konfrontiert sein, wenn der Rechtsstreit dazu führt, dass TrueEV vom Markt ausscheidet.
Beim Übergang von Xpeng zu einem Direktvertriebsmodell bleibt die Rolle der bestehenden Händler unklar. Während der Betrieb vorerst normal weiterläuft, werden die kommenden Monate darüber entscheiden, ob TrueEV die rechtlichen Herausforderungen überstehen kann oder ob es auslaufen wird, da Xpeng die Kontrolle über seine australischen Betriebe festigt.
Der Ausgang dieses Falles wird wahrscheinlich einen Präzedenzfall dafür schaffen, wie chinesische Elektrofahrzeughersteller ihre Vertriebsnetze in Australien verwalten und dabei lokale Partnerschaftsbedürfnisse mit direkter Unternehmenskontrolle in Einklang bringen.










