Wenn ein Autohersteller einen neuen Motor ankündigt, ist die Überschrift fast immer dieselbe: eine bestimmte, beeindruckende Anzahl an PS und Drehmoment. Diese Zahlen treiben das Marketing voran, wecken die Begeisterung der Verbraucher und setzen den Maßstab für Leistung. Ein aktuelles Experiment mit dem Ford Mustang Dark Horse bringt jedoch eine verblüffende Wahrheit ans Licht: Diese Zahlen sind alles andere als absolut.
Das Experiment: Ein Auto, vier verschiedene Realitäten
Um die Zuverlässigkeit der Leistungskennzahlen zu untersuchen, führte Road & Track einen kontrollierten Test mit einem einzelnen Ford Mustang Dark Horse durch. Ziel war es herauszufinden, wie stark die Leistungsabgabe eines Autos abhängig von der zur Messung verwendeten Ausrüstung variiert.
Um die wissenschaftliche Integrität sicherzustellen, hielten die Tester möglichst viele Variablen konstant:
– Das Fahrzeug: Ein identischer 5,0-Liter-V8-Mustang Dark Horse.
– Der Kraftstoff: Benzin mit 91 Oktan.
– Die Umgebung: Gleichbleibende Wetterbedingungen und SAE-Korrekturfaktoren.
Trotz dieser Kontrollen waren die Ergebnisse völlig inkonsistent. Während Ford den Motor mit 500 PS an der Kurbelwelle bewertet (was nach Berücksichtigung des Antriebsstrangverlusts typischerweise etwa 440 Rad-PS entspricht), erzeugten die vier verschiedenen Fahrgestellprüfstände eine enorme Datenmenge.
Die Ergebnisse: Von „Herzensbrechern“ zu Leistungsträgern
Die Tests ergaben ein Spektrum an Ergebnissen, das verdeutlicht, wie viele „Messfehler“ in der Branche bestehen:
| Prüfeinrichtung | Dyno-Typ | Pferdestärken (PS) | Drehmoment (lb-ft) |
|---|---|---|---|
| Westech Performance Group | 30-jähriger SuperFlow | 420,8 | 367,2 |
| HK Motorsport | Dynojet | 425,7 | — |
| Bisimoto Engineering | Dynapack (Hub) | 430,9 | — |
| Weltmotorsport | Moderner AWD-Prüfstand | 465,0 | 388,0 |
Der Abstand zwischen dem niedrigsten und dem höchsten Wert betrug 44,2 PS – ein erheblicher Unterschied, der den Unterschied zwischen einem Auto, das sich „schnell“ oder „explosiv“ anfühlt, ausmachen könnte.
Warum gibt es diese Diskrepanzen?
- Alter und Design der Hardware: Ältere Maschinen, wie der bei Westech verwendete SuperFlow, liefern oft niedrigere, konservativere Zahlen. Neuere, spezielle Setups, die für Allradantriebssysteme (AWD) entwickelt wurden, lesen möglicherweise höher.
- Korrekturfaktoren: Selbst auf derselben Maschine spielen die atmosphärischen Bedingungen eine Rolle. Ein einzelner Techniker zeigte, dass eine Änderung der Wetterkorrektureinstellungen bei gleicher Zugbelastung die Ergebnisse um fast 100 PS beeinflussen konnte.
- Dyno-Typ: Ob eine Maschine Rollen verwendet (Chassis-Dyno) oder an der Nabe misst (Naben-Dyno), ändert, wie viel Energie während des Tests durch den Antriebsstrang verloren geht.
Was das für Enthusiasten und Verbraucher bedeutet
Diese Variabilität verändert die Art und Weise, wie wir Automobilnachrichten interpretieren sollten. Wenn ein Hersteller für ein neues Modelljahr eine „Steigerung um 15 PS“ angibt, kann dieser Zuwachs tatsächlich geringer sein als die Fehlerquote, die dem Testprozess selbst innewohnt.
Für Tuner und Performance-Enthusiasten unterstreicht dies eine wichtige Regel: Konsistenz ist wichtiger als die Schlagzeile.
„Ein Auto, das auf dem gleichen Prüfstand und unter den gleichen Bedingungen 30 PS leistet, sagt weit mehr aus als ein zufälliges, vom Prüfstand überprüftes Blatt von irgendwo im ganzen Land.“
Anstatt einer absoluten Zahl nachzujagen, konzentrieren sich professionelle Tuner auf Grundlinien. Es ist ihnen wichtig, wie eine Modifikation die Leistungsabgabe auf dieser bestimmten Maschine verändert, denn das liefert einen messbaren, wiederholbaren Trend.
Fazit
Der „PS-Krieg“ wird häufig mit beweglichen Zielen ausgetragen. Da die Messwerte des Prüfstands stark vom Alter, Typ und der atmosphärischen Korrektur der Maschine beeinflusst werden, kann keine einzelne Zahl als die absolute Wahrheit angesehen werden. In der Welt der Leistung sind relative Gewinne eine viel zuverlässigere Messgröße als absolute Ansprüche.











